|
Ein Tipp der von Herzen kommt:
Stellen Sie sich einmal vor, sie treffen sich mit
zwei Familienforschern zum Austausch und beide legen Ihnen ihre
Forschungsergebnisse in Form einer Familienchronik vor.
Die Chronik des ersten Forscherkollegen besteht aus
fein säuberlich ausgedruckten Listen aller Vorfahren. Ihr Auge fliegt
über Namen, denen Daten folgen. Doch es sind keine bekannten Namen dabei
und darum bleibt Ihr Auge auch nirgendwo hängen. Sie würden sicherlich
antworten: "Schön!"- und die Chronik etwas gelangweilt
zurückschieben.
Nun schlagen Sie die zweite Familienchronik auf.
Auch hier finden Sie die obligatorischen Listen und Tafeln- doch hier
dienen sie lediglich dem besseren Überblick.
Sie finden Beschreibungen der Orte, in denen die
Familienzweige gelebt haben mit vielen Fotos der Landschaft, alter Häuser
und der Ortskirche. Sie können sich bildlich vorstellen wie die Menschen
hier gelebt haben.
Fasziniert blättern sie weiter und kommen zu den
Lebensbeschreibungen einzelner Vorfahren und Familienzweige, ergänzt um
alte Fotos. Sie lesen über die Berufe die sie ausübten, über
Erfindungen, die während deren Lebenszeit ihren Siegeszug um die Welt
antraten und über Seuchen und Fluten, die ihre Orte heimsuchten.
Sie lesen von einem Vorfahren der immer in seinem
Schaukelstuhl saß wenn die Enkel zu Besuch kamen- und diese Enkel
entfernten bei ihren Besuchen immer wieder ein Stück Rohr aus dem Stuhl
um sich daraus Pfeifen zu schnitzen- bis eines Tages der Stuhl unter dem
Opa zusammenbrach.
Sie lesen von einer jungen Frau, die unverheiratet ihr
Kind gebar und unter Schimpf und Schande ihr Kind selbst zum Taufbecken
tragen und sich eine Belehrung des Pastors über Moral und Sitte vor der ganzen
Gemeinde anhören musste.
Am liebsten würden Sie diese Chronik mit nach Hause
nehmen um sie weiter zu lesen?
Lernen Sie aus diesem Beispiel. Wenn
Sie einem Rat aus meinem tiefsten Herzen folgen möchten, dann sammeln Sie
Ihre Vorfahren und deren Lebensdaten nicht wie Briefmarken. Jede
aufgezeichnete Person war ein Mensch mit einem Leben. Möchten Sie, dass
man später von Ihnen nur Geburts-, Hochzeits- und Todestag kennt? Begrenzen
Sie Ihre Forschungen nicht allein auf die Namen und die nackten Daten-
füllen Sie Ihre Forschungen mit Leben! Das sollte Ihr größtes Anliegen
sein. Ich persönlich lese lieber Forschungsergebnisse die nur vier
Generationen zurückreichen aber das Leben der Personen spannend
wiedergeben als eine Liste mit Namen und Daten bis Karl dem Großen.
|