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Nicht erst diese große Flutkatastrophe
verursachte großes Leid in Ostfriesland. Diese war lediglich der Höhepunkt in
einer Reihe von sehr schweren Jahren und die Folgen aus diesem Grunde so
besonders hart.
Bereits der Winter 1710 war derart ungewöhnlich
kalt gewesen, dass die Wintersaat erfror. Korn wurde als Mangelware teuer und
die ganze Wirtschaft war wie gelähmt. Die Ostfriesen hatten sich noch nicht von
den Folgen erholt, als 1712 die Pest ins Land kam und viele Menschen
dahinraffte.
1715 hatte die Fastnachtsflut den Deichen bereits
mächtig zugesetzt. 1715 und 1716 kam es dann zu großen Viehseuchen. Der
Viehbestand wurde drastisch dezimiert. Mancher Bauer verlor seine einzige Kuh.
1716 kam noch eine enorme Mäuseplage hinzu. Die Mäuse fielen in Scharen über
die erntereifen Felder her und minderten den Ertrag erheblich.
Doch wenn die Menschen schon in all diesen Jahren gelitten hatten, all das
war nichts im Vergleich zu dem, was sie Weihnachten 1717 erwartete. Bereits am
Tag vor Weihnachten hatte es ein Unwetter gegeben. Rechtzeitig zum
Weihnachtsfest aber beruhigte sich das Wetter, die Menschen besuchten beruhigt
die Kirche, feierten den Heiligen Abend und legten sich schlafen. Doch
mitten in der Nacht flammte der Wind wieder auf und entwickelte schnell
Orkanstärke. In kürzester Zeit stieg das Nordseewasser bedrohlich an. Die
ohnehin schon geschädigten Deiche hielten dem Ansturm nicht lange stand, ein
Deich nach dem anderen brach und das Wasser strömte ins Land.
Das Wasser kam so plötzlich, dass niemand gewarnt werden konnte. Im Schlaf
vom Wasser überrascht kletterten die Menschen auf die Dächer ihrer Häuser-
die meisten hatten nicht einmal die Zeit, sich etwas anzuziehen. Viele Häuser
hielten den Wassermassen nicht stand und brachen auseinander. Somit gerieten
immer mehr Menschen in die kalten Fluten. Sie klammerten sich an alles, was
ihnen halt gab: Bäume, dahin gleitende Möbelstücke. Manch einer hatte das
Glück den Fluten zu entkommen und auf einer sicheren Anhöhe zu stranden um
dann doch an Unterkühlung zu sterben. Viele Menschen mögen den Tod eines
nahen Angehörigen hilflos beobachtet haben. Schreie drangen durch die Nacht-
Hilfe konnte nur in wenigen Fällen geleistet werden.
Erst am nächsten Morgen wurde das ganze ausmaß der Katastrophe
ersichtlich. Zwei bis drei Meter hoch stand das Wasser. Bis auf die Geest
stand ganz Ostfriesland unter Wasser. Sogar Schiffe waren durch den Sturm über
die Deiche ins Land getrieben worden. Viele Häuser waren fort, Leichen und
Tierkadaver überall und soweit das Auge reichte. Wer auf dem Geestrücken
wohnte war plötzlich zu einem Küstenbewohner geworden und erblickte nicht
selten auf angetriebene Schiffe vor dem Haus.
Die nächsten Tage waren von Rettungsmaßnahmen geprägt- doch wer die Nacht
überlebt hatte, war noch lange nicht gerettet. Es gab nicht genügend Boote
für die Rettungsmaßnahmen, da diese alle abgetrieben waren. Es gab keine
Möglichkeiten, das Ausmaß der Katastrophe in Gegenden außerhalb Ostfrieslands
zu melden- die heutigen Kommunikationsmittel standen schließlich noch nicht zur
Verfügung. Viele Menschen, die nicht ertrunken waren, starben an
Entkräftung. Nahrungsmittel waren Mangelware, das Wasser der Brunnen war
nicht mehr genießbar.
Da die kleinen Häuser dem Wasser nicht standgehalten hatten, waren es gerade
die einfachen Leute, die nun ihr wenig Hab und Gut verloren und in tiefe Armut
gestürzt wurden.
Da eine schnelle Beseitigung der Deichschäden unmöglich war, konnte das
Wasser stellenweise noch sechs Jahre lang ins Land strömen.
Im Februar 1718 folgte eine weitere Flutkatastrophe.
Es bildeten sich zunehmend Seen, da immer mehr Erde fortgespült wurde.
Ein solcher See bei Larrelt erreichte gar eine Tiefe von 25 Metern. Erst nach
zwei Jahren konnte er mit großem finanziellen Aufwand geschlossen werden
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