Wo heute Carolinensiel liegt, befand sich noch vor
wenigen Jahrhunderten die Nordsee. Um 1500 begann man mit der
systematischen Landgewinnung durch Eindeichung.
Zur Vermeidung von Konflikten um das neue Land einigten
sich im Jahr 1666 Fürstin Christine Charlotte von Ostfriesland und der
Herr von Jever, Graf Anton Günther von Oldenburg, auf die zukünftige
Grenze. Vom Treffpunkt der ostfriesischen und jeverschen Deiche zog man
auf der Seekarte mit goldener Tinte eine Linie bis zu einem Punkt genau
zwischen den Inseln Spiekeroog und Wangerooge. Die „Goldene Linie“ ist
heute noch die Grenze zwischen dem ostfriesischen Landkreis Wittmund und
dem Landkreis Friesland. Im Jahr 1729 wurde die
Eindeichung des Carolinengroden abgeschlossen und es entstand
Carolinensiel.
Viele Jahre hatte die Caroliner Bewohner um ihre
Kirche kämpfen müssen. Seit 1730 siedelten sie am Deich und mussten für
den Gottesdienst nach Funnix oder Werdum gehen. Erst vierzig Jahre
später, 1770 setzten sie sich durch und mussten noch mal sechs Jahre
warten, bis am 20.10.1776 die schlichte Backsteinkirche eingeweiht
wurde.
Die Kirche in Carolinensiel ist die einzige Kirche
der Welt, die je auf einem Deich errichtet wurde.
Bemerkenswert ist das in seinem ursprünglichen Bauzustand erhaltene
Innere: Kanzelaltar, Westempore mit Orgel. Die Orgel baute Hinrich Just Müller
aus Wittmund 1780/81, die zusammen mit der Empore 1782 eingeweiht wurde. Kleine Holzkammern neben Altar
und auf dem Orgelboden sind sogenannte "Priefchen", besondere
Sitzmöbel für besondere Leute.
Der Turm
wurde 1793 getrennt von der Kirche errichtet. Wegen der heftigen Stürme
an der Küste wurde er bewusst niedrig gehalten. Die Turmspitze wird
von einem Schwan gekrönt, einem lutheranischen Symbol. (Foto: ABermueller,
pixelio.de)
Video des Turms während des
Glockenläutens von "Poldersiel" bei YouTube:
Die Kirche ist dienstags bis freitags von 10 bis 18
Uhr und samstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Mittwochs um 10 Uhr stehen
ein Gästeführer oder der Pastor selbst bereit, um die Kirche
vorzustellen.
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