Was
heute von der Marienkirche erhalten geblieben ist, erinnert kaum noch an die
frühere große dreischiffige basilikale Kreuzkirche. Der „Marienhafer
Dom" galt mit seinem sechsgeschossigen Turm an der Westseite im
Mittelalter als die größte Kirche zwischen Groningen und Bremen. Sie wurde im 13. Jahrhundert, vermutlich um 1230,
erbaut.
Um 1500 wirkten vier Priester im "Dom
von St.Marien".
Foto: Dennis Wubs
Der Turm und alle drei Kirchenschiffe waren auf der
Nordseite mit Kupfer ("Kuiper" = friesisch-niederländisch für
Kupfer) und auf der Südseite mit Schiefer ("Ley"=altdeutsch für
Schiefer) gedeckt, so dass die Kirche von See her durch den wechselnden
Blick auf die Kupfer- und die Schieferseite für Eingeweihte (und nur für
sie) einen Hinweis auf die auch bei Niedrigwasser befahrbar bleibenden
Priele und sonstigen Wasserflächen gab. Ohne dieses Sonderwissen waren
der Ort und sein tideabhängiger Hafen von See her praktisch uneinnehmbar.
Es ist durchaus möglich und auch im Bereich des Wahrscheinlichen, dass
sich der berühmte Pirat Störtebecker an den Kosten beteiligt hat.
Die Bedeutung der Kirche als Seezeichen ging nach dem
Ende des Mittelalters durch die Verlagerung der Küstenlinie zurück;
Marienhafe liegt heute im Binnenland und hat keinen Hafen mehr.
Der breite und hohe Turm der Kirche wird auch Störtebeckerturm
genannt, weil er dem berühmt-berüchtigten Piraten Störtebecker und
seinen Leuten als Unterschlupf auf dem Festland diente.
Kurzinfo: Wer war Störtebecker?
Claes Störtebecker ging in die Geschichte ein als ein Seeräuber, der
seine reiche Beute mit der armen Bevölkerung Ostfrieslands teilte. So
wurde er zu einem Robin Hood des Meeres. Die Häuptlinge der Krummhörn
boten ihm auf der Flucht vor seine Verfolgern immer wieder Unterschlupf,
wofür diese später mit der Zerstörung ihrer Dörfer bestraft wurden.
Im
Jahre 1401 wurden Störtebecker und seine Männer gefangen genommen und
zum Tode verurteilt. Störtebeckers letzte Bitte: Man möge ihn als ersten
hinrichten und seine Gefolgsleute sollten neben der Hinrichtungsstätte
stehen. Alle Männer, an denen er nach dem Verlust des Kopfes noch
vorbeigehen könne, sollten freigelassen werden. Sein Wunsch wurde ihm
erfüllt. Nach der Hinrichtung soll er sich tatsächlich aufgerichtet und
an 11 seiner Männer vorbeigelaufen sein, bevor er zusammenbrach. So
rettete Störtebecker noch im Tode 11 seiner Männer das Leben und
festigte seinen Ruf bis heute. Die abgeschlagenen Köpfe der Piraten
wurden auf Pfählen im Watt für alle sichtbar aufgespießt.
1819 stürzte der Ostgiebel der Kirche ein. Weil 8000 Taler für die
Ausbesserung zu teuer waren, beschloss man 1829, die baufällige Kirche
abzubrechen und in verkleinerter Form wieder aufzubauen. Nur das
Mittelschiff blieb erhalten. Kurze Zeit später wurde der Westturm um zwei Stockwerke auf fast halbe Höhe gekürzt. Heute ist die einstmals gewaltige Kirche einschiffig und der Turm nur
vier statt sechs Stockwerke hoch.
Der auch heute noch beeindruckende Innenraum birgt neben einer
Marienstatue und einer Heiligenstatue einen Bentheimer Taufstein aus dem
13. Jahrhundert und die 1710-13 von Gerd Holy erbaute Pfeifenorgel.
Foto: Dennis Wubs
Am
Außenmauerwerk der Basilika waren rundherum Steinfiguren und
Friesplatten-Bildsteine angebracht. Leider blieb nur eine geringe Anzahl
dieser Figuren bei den Abbrucharbeiten erhalten. Sie werden heute im
Kirchenmuseum in der “Störtebekerkammer” gezeigt, die sich im
Westturm befindet. Seit Jahrhunderten befassen sich Kunsthistoriker mit
diesen Friesfiguren. Aber diese sind ebenso rätselhaft geblieben wie
Störtebeker, dessen “Portrait” insbesondere den jüngeren
Museumsbesuchern und Turmbesteigern gehörig Ehrfurcht einflößt. Die
"Störtebekerkammer" ist zu einem Kirchenmuseum über die
Dokumentation der Baugeschichte ausgebaut worden. Der Besuch auf der
Turmplattform bietet einen grandiosen Ausblick über die umliegende
Landschaft.
Ein Video vom Glockenläuten, aufgenommen
von Poldersiel:
Wenn Sie eine Homepage mit Forschungsergebnissen aus diesem Kirchspiel haben, so
lassen Sie sich doch hier bitte eintragen, um schnelle Kontakte möglich zu
machen. Wichtig ist die Angabe der Familiennamen, die in diesem Ort erforscht
werden, bzw. wurden und der REAL-Name des Forschers. Bei Interesse senden Sie
einfach eine Email mit dem Ort in der Betreffzeile an:
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